Die drei Ebenen des Projekts Neuorientierung – Teil 2: Selbst-Management

Tom Diesbrock Selbstmanagement

Beim Lesen der ersten beiden Teile konnten einige von Ihnen wahrscheinlich einen Seufzer nicht unterdrücken, der so etwas sagen wollte wie „Wenn es doch so einfach wäre!“.

Ein definiertes Projekt, ein guter Plan und Methoden der kreativen Ideenfindung – würde das ausreichen für den beruflichen Umstieg, würden wohl viel weniger Menschen an einem frustrierenden Job kleben. Und den meisten würde ein Ratgeber ausreichen, der seine Leser mit ein paar guten Rezepten auf die Spur bringt. An solchen Ratgebern und Rezepten herrscht wohl auch kein Mangel; nur bleibt die erfreuliche Wirkung meistens aus. „Die drei Ebenen des Projekts Neuorientierung – Teil 2: Selbst-Management“ weiterlesen

Die Risiken des Bleibens

„Auch wenn vieles dafür spricht, sich beruflich zu verändern, ist es nicht viel zu riskant, einen sicheren Job aufzugeben?“ 

Wo es um berufliche Neuorientierung geht, ist diese Frage selten weit – egal ob ich mit veränderungswilligen Menschen oder Journalisten spreche, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Dabei wird ganz selbstverständlich davon ausgegangen, dass Veränderungen immer unsicherer sind als das Festhalten am Status Quo.

Diese Logik ist nicht so logisch, wie sie auf den ersten Blick vielleicht erscheint. „Die Risiken des Bleibens“ weiterlesen

Das Problem der zu vielen Ideen – ein Dialog

Im Frühjahr 2011 habe in meinem Job-Blog einen Text mit dem Titel „Ich habe einfach zu viele Ideen“ gepostet. Kurz darauf bekam ich eine Nachricht von einer Leserin, die genau unter diesem Problem litt. Wir vereinbarten, darüber einen schriftlichen Dialog zu führen, von dem vielleicht auch andere Leser profitieren.

Damit Sie verstehen, worum es geht, hier noch einmal der Text:

Ich habe einfach zu viele Ideen…

Nicht wenige der Menschen, die in meine Coaching-Praxis kommen, wollen unbedingt einen neuen Job, haben aber keine Idee, wie der aussehen könnte. Um diese Menschen geht es hier nicht. Sondern um die, die von sich sagen, dass sie viel zu viele Ideen haben. „Das Problem der zu vielen Ideen – ein Dialog“ weiterlesen

Ist ein totes Pferd ein gesellschaftliches Problem?

Ich möchte hier einmal auf die nicht wenigen Kommentare – vor allem auf meinen Artikel in der WELT – antworten, die im Grundtenor kritisieren, dass ich ein gesellschaftlich-politisches Problem psychologisiere und damit die „wirklichen“ Zusammenhänge verkenne und womöglich verdrehe. Viele Menschen geben sich richtig empört nach dem Motto „Der Psychologe hat gut reden – aber von der Realität auf dem Arbeitsmarkt hat er ja keine Ahnung.“


Nicht das Individuum ist schuld, wenn es ein totes Job-Pferd reitet, sondern das System und die Bedingungen? Okay, ich gebe zu, das ist ein bisschen zu polemisch. Nur so mancher, der seinen Job wohl ziemlich hasst, versteht sein Leid anscheinend wirklich ausschließlich als Konsequenz der Umstände – und nicht auch des eigenen Handelns und Denkens.


Auch wenn ich befürchte, dass einige Leute einfach fest entschlossen sind, mich falsch verstehen zu wollen, möchte ich noch einmal zu Protokoll geben:

Selbstverständlich haben wir unterschiedlich gute Bedingungen in der Arbeitswelt. Nicht jeder kann alles erreichen, wenn er nur entschlossen genug ist – sonst wäre es wirklich die Schuld des Einzelnen, wenn er nicht längst Berufung und Traumjob gefunden hat…

Die Arbeitsverhältnisse sind unsicherer als sie es einmal waren. Zeit- und Projektverträge nehmen immer mehr zu. Was einige Menschen für eine Stunde ihrer Arbeitszeit bekommen, ist eine Unverschämtheit. Und die Lohnentwicklung folgt ganz offensichtlich nicht den Gewinnentwicklungen der Unternehmen. 

Es gibt vieles zu kritisieren in der Arbeitswelt, und das sehe ich. Ich sehe aber nicht nur Schatten in diesen Entwicklungen, sondern auch neue Möglichkeiten und Freiheiten. Die Tatsache allein, dass es nicht mehr so ist, wie es einmal war, finde ich nicht sonderlich empörenswert.

Vor allem sehe ich aber meine Aufgabe als psychologischer Coach und Autor nicht darin, im großen Chor mitzusingen, dass alles ganz schlimm und ungerecht ist! Als meinen Job verstehe ich es, Menschen anzuregen und dabei zu unterstützen, die Möglichkeiten und Freiheiten, die ihnen die Arbeitswelt bietet, zu sehen und zu nutzen. 

Ich glaube nicht, dass Menschen von mir hören und lesen wollen, dass ihre Situation nicht leicht ist. Und dass die gesellschaftlichen Bedingungen es ihnen schwer machen, wissen sie wahrscheinlich selbst. Wenn jemand beispielsweise ein sehr negatives Bild von seinen Fähigkeiten und Chancen hat, mag das auch darin begründet liegen, dass er sich durch die äußeren Bedingungen eingeschüchtert und klein gemacht fühlt. Meine Arbeit ist es dann, mit ihm ein positiveres Selbstbild zu erarbeiten und ihm zu helfen, selbstbewusster aufzutreten. 

Voraussetzung ist dafür natürlich, die Situation – egal ob wir sie lieben oder hassen – anzuerkennen, wie sie ist. In meinen Augen macht es Sinn, sich die Spielregeln sehr genau anzusehen, sie für unsere Ziele zu nutzen und das Spiel zu spielen. Allein darauf fixiert zu sein, dass es ein unfaires Spiel ist, halte ich nicht unbedingt für konstruktiv…

Ihre neue Job-Idee darf unklar sein!

Was hält unzufriedene Menschen davon ab, den alten, langweilig oder nervig gewordenen Job endlich an den Nagel zu hängen? 


Fragen wir einen Betroffenen, wird er wahrscheinlich sagen: 
„Weil ich nicht weiß, wie eine berufliche Alternative aussehen kann.“ 


Fragen wir diesen Betroffenen nach einigen Monaten erneut, ist es nicht ganz unwahrscheinlich, dass er antwortet: 
„Weil ich nicht weiß, wie eine berufliche Alternative aussehen kann.“ 

Warum ist er in dieser Zeit nicht ein bisschen weiter gekommen? Möglicherweise liegt es an einem Denk-Fehler, dem ich ziemlich häufig begegne:

Wenn wir uns trauen, über unseren Tellerrand nach beruflichen Alternativen zu schauen, stoßen wir fast immer erst einmal auf verschwommene Ideen, Träume oder Fantasien. Genau das brauchen wir auch, um einen Job zu finden, der uns näher am Herzen liegt als der, den wir ja lieber heute als morgen verlassen würden. Der Weg zu dem neuen, besseren Job beginnt genau HIER – im noch Vagen, Unklaren und Skizzenhaften! 

Im Laufe unserer Beschäftigung damit, indem wir immer mehr klären und recherchieren, was genau wir tun wollen und können, wird das Bild dann klarer und detaillierter. Schließlich werden wir die mögliche Alternative mit unserem heutigen Job vergleichen und feststellen, ob ein Wechsel wirklich vorteilhaft wäre.

Irgendwie logisch, oder?

Leider machen viele Menschen den – in meinen Augen – großen Fehler, gleich zu Beginn viel zu viel von ihren Job-Ideen zu verlangen: Sie vergleichen nämlich diese „kleinen Pflänzchen“ mit dem, was sie seit vielen Jahren haben und tun – und stellen dann fest, dass diese Ideen viel zu unkonkret und unklar sind und damit keine echten Alternativen sein können.

Klar, von den Tätigkeiten, die wir seit Jahren fast im Schlaf erledigen können, kennen wir natürlich jeden kleinsten Aspekt, jedes Detail. Dagegen MUSS jede neue Alternative erst einmal völlig unklar sein. Aber so ein Vergleich ist einfach nicht fair! Und das Ergebnis wird immer sein, dass ich lieber bei dem bleibe, was ich habe und kenne. 

(In Norddeutschland haben wir das Sprichwort: „Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht.“ – wohl auch wenn ihm die ewig gleiche Kost zum Hals heraus hängt.)

Es erfordert sicher einigen Mut, vor dem Neuen und noch Unklaren nicht gleich die Augen zu verschließen. Aber wenn wir es ernst meinen mit unserer Suche nach beruflichem Neuland, kommen wir nicht daran vorbei, uns erst einmal mit allen möglichen Ideen zu beschäftigen – vor allem wenn sie sexy sind…