Wenn die Frage ein Teil des Problems ist

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Mails wie diese bekomme ich ziemlich häufig: Jemand beschreibt mir seinen bisherigen beruflichen Weg und wie er sich jetzt in einer Sackgasse sieht, weil ihm überhaupt nicht gefällt und entspricht, was er täglich tut. Die Verzweilfung ist verständlicherweise groß, wenn man gleichzeitig nicht weiß, was man denn tun möchte. Zwischen den Zeilen ist zu lesen, dass Interessen und eigene Vorstellungen von einem glücklichen Leben bisher keine große Geige spielten. Entscheidungen für Ausbildung, Studium und Jobs waren eher von vermeintlicher Vernunft geprägt – was der Arbeitsmarkt angeblich braucht und will, was sicher erscheint und gut bezahlt wird.  „Wenn die Frage ein Teil des Problems ist“ weiterlesen

Die drei Ebenen des Projekts Neuorientierung – Teil 1: Der Entwicklungsprozess

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Ich habe einige Ideen, was ich beruflich machen könnte. Es würde mir bestimmt liegen, mit Menschen zu arbeiten, gern im sozialen Bereich. Ich kann mir auch vorstellen, in einem großen internationalen Unternehmen angestellt zu sein – vielleicht im Marketing oder auch im PR-Bereich. Oder ich mache mich mit irgendwas selbstständig – das wäre auch möglich. Ich KANN mich nur einfach nicht entscheiden – Entscheidungsfreudigkeit ist nicht gerade meine größte Stärke. Aber ich will endlich etwas anderes tun, deshalb muss sofort eine Entscheidung her.“

So eine Problembeschreibung höre ich mindestens einmal in der Woche. Jemand hat schon eine Weile gegrübelt und einige ungefähre Vorstellungen davon, was er beruflich machen könnte. Und jetzt meint er, sich entscheiden zu müssen. Dabei sieht er aber nicht, dass eine halbwegs vernünftige Entscheidung auf dieser Grundlage überhaupt nicht möglich ist. „Die drei Ebenen des Projekts Neuorientierung – Teil 1: Der Entwicklungsprozess“ weiterlesen

Paula – ein Fall von Profil-Blockade

Tom Diesbrock - mentale Blockade

Ich traf heute eine Bekannte von mir, eine junge Frau, nennen wir sie Paula, die ich im Frühjahr auf einer Wanderung kennen gelernt hatte. Das Gespräch kam bald auf ihre berufliche Situation, die alles andere als rosig ist: Paula hat ihr Abi seit zwei Jahren in der Tasche und weiß immer noch nicht, wohin ihre berufliche Reise gehen soll. Sie hält sich mit Jobs über Wasser, wird damit aber immer unglücklicher, denn sie möchte endlich etwas tun, was sie fordert und weiterbringt.

Paula hatte sich im Sommer auf einen Studienplatz für Medizin beworben und eine Absage bekommen. Jetzt erzählte sie mir von ihren Überlegungen, vielleicht in Budapest zu studieren. Ich fragte sie (wie das so meine Art ist), was sie denn nach dem Studium genau machen möchte. Sie wolle zwar Ärztin werden, aber nicht Patienten auf Dauer betreuen, also keine zu alten Leute, Sportmedizin könne sie sich vorstellen – oder Anästhesie, denn das habe mit Technik und Biologie zu tun, was sie interessierte, und es sei nicht mit so viel Patientenkontakt verbunden… Das machte mich stutzig. In ihrer Vorstellung vom Arztberuf schienen die Menschen nicht der entscheidende Faktor zu sein. Da läge es doch näher, gleich etwas Technisches, Pharmazeutisches oder Biologisches zu studieren? Hmm, ja, da sei etwas dran. „Paula – ein Fall von Profil-Blockade“ weiterlesen

Zeiten des Um- und Aufbruchs

Es gibt viele Gründe für den Wunsch nach beruflichen Veränderungen:Oft ist es Unzufriedenheit, nicht selten Überlastung. Manchmal sind es verlockende Jobangebote oder der Anruf eines Headhunters, die uns motivieren, unsere Koffer zu packen. Und manchmal steht einfach der nächste Schritt auf der Karriereleiter an.

Es gibt aber noch eine Motivation zur Veränderung, die in unserer Persönlichkeitsentwicklung begründet ist – und die wird oft übersehen oder unterschätzt: „Zeiten des Um- und Aufbruchs“ weiterlesen

Wie mache ich aus meinen Fähigkeiten und Interesse einen neuen Job?

Mir schrieb mir jemand (zusammengefasst) Folgendes: 

Ich weiß sehr genau, welche Talente und Fähigkeiten ich habe. Und ich habe auch viele Interessen. Aber wie bekomme ich eine Synthese daraus hin und entwickele konkrete Jobideen?

Da mir diese Frage so oder ähnlich häufig gestellt wird, möchte ich meine Antwort hier veröffentlichen:

Der Schritt von Kompetenz- und Interessenprofilen zu konkreten Jobideen ist kein leichter, da kann man wirklich stecken bleiben. Sie sagen, dass Sie gut darin sind, zu analysieren und die Quintessenz zu erfassen. Vielleicht liegt darin auch das Problem. Ihre Eigen-Analyse ist bestimmt zutreffend – nur ist sie auch sehr reduziert. Ich denke, Sie suchen nach neuen Ideen und Lösungen, und dazu brauchen wir mehr als eine Synthese des Bekannten. Analytisches Denken ist gut, wenn wir die bessere von zwei Alternativen herausfinden wollen. Um über unseren inneren Tellerrand zu schauen, brauchen wir aber vor allem Intuition und Kreativität – und die behindern wir eher durch logisches, „linkshirniges“ Denken.

Mein Eindruck ist, dass Sie einen wichtigen Schritt auslassen: Bevor Sie entscheiden und analysieren können, benötigen Sie erst einmal „Stoff“ dafür – und das sind viele, viele Ideen für mögliches berufliches Tun. Es reicht selten aus, nur darauf zu schauen, was wir gern HABEN – die Basis für unseren neuen Job ist, was wir gern TUN! Tätigkeiten, die wir lieben, sind vielleicht Tätigkeiten, in denen wir A gut sind und die B anderen Menschen oder Unternehmen Geld wert sind.

Und um Ideen dafür zu entwickeln, müssen Sie sich trauen, sehr weit, verrückt und um die Ecke zu denken, zu spinnen und zu träumen. Ich schlage Ihnen vor, dass Sie Ihre Fähigkeiten erst einmal beiseite lassen und von Ihren Interessen ausgehen. Nehmen Sie sich ein sehr großes Blatt Papier und verteilen darauf die Begriffe, die Sie als Ihre Interessen aufgezählt haben. Jetzt brainstormen Sie – in mehreren „Sitzungen“! – zu der Frage „Was möchte ich tun?“. Notieren Sie alles – sei es auch auf den ersten Blick noch so verrückt. Lassen Sie sich auch von Kombinationen Ihrer Interessen inspirieren. Wie wär´s mit: Schmuck + Kochen, Abenteuerurlaub + Design oder Trekking + Abendgarderobe. Was fällt Ihnen dazu ein? 

Wer Neuland finden will, muss sich trauen, das „Undenkbare“ zu denken. Das erfordert eine Menge Mut! Und nehmen Sie sich ausreichend Zeit dafür. Erst wenn Sie diese Aufgabe erledigt haben, sollten Sie im nächsten Schritt schauen, woran Sie konkret weiterarbeiten möchten und wobei Ihnen Ihre Fähigkeiten helfen könnten.