Über das Prägnanz-Dilemma bei Entscheidungen

Über das Prägnanz-Dilemma bei Entscheidungen

Mit folgendem Anliegen kommen Menschen häufig zu mir:

Jemand möchte sich dringend beruflich verändern. Er schildert mir einige Ideen, die möglicherweise berufliche Optionen werden können. Sie sind noch sehr schwammig und der Job dahinter nur in Umrissen erkennbar. Aber mein Gegenüber ist verzweifelt und ratlos, weil er nicht weiß, für welche Option er sich jetzt entscheiden soll. In seinen Augen ist das Problem seine Entscheidungsschwäche – die sich bisher hartnäckig weigerte, sich durch Grübeln oder pro-und-contra-Listen lösen zu lassen.

Das Dilemma dahinter ist meinen Augen ein ganz anderes: Wenn wir eine Entscheidung zwischen A und B treffen wollen, müssen uns beide Alternativen ähnlich klar, bekannt und verständlich, also prägnant sein. Sonst haben wir ein Problem: Kenne ich A sehr gut und detailliert und B nur eher verschwommen und ungenau, werde ich mich tendenziell für A entscheiden. Warum? Weil unser Gehirn das Unklare nicht mag und dazu neigt, damit verbundene Risiken eher zu überschätzen. Instinktiv halten wir uns lieber an das Bekannte und Vertraute. Ich nenne dies ein Prägnanz-Problem.

Verbringe ich beispielsweise meinen Urlaub in dem spanischen Ferienort, wo ich schon häufiger war – oder reise ich lieber nach Asien? Asien mag exotisch und interessant klingen, aber vielleicht auch unbekannt und irgendwie gefährlich. Vor so eine Wahl gestellt, würden sich die meisten wohl eher für den vertrauten Ort entscheiden. Wenn ich mich aber informiere und dadurch sehr genau weiß, was mich an bestimmten Orten eines asiatischen Landes erwartet, hat die neue Erfahrung gegen die bekannte eine viel bessere Chance.

Mit dem neuen Job ist es ähnlich. Unsere aktuelle Arbeit, die Branche, das Unternehmen und alle täglichen Abläufe kennen wir in- und auswendig. Und die Alternativen? Viele Menschen haben eben nur einige verschwommene Ideen, weil sie über das Grübeln noch gar nicht hinaus gekommen sind. Aber trotzdem meinen sie, auf dieser Grundlage schon eine Entscheidung treffen zu können und müssen. Und dann starren sie auf diesen Entscheidungskonflikt wie das Kaninchen auf die Schlange! Und das ist nur sehr bedingt hilfreich…

Die Konsequenz? Vor einer Entscheidung sollte ich alles tun, um alle in Frage kommenden Alternativen genau zu durchdenken und damit so prägnant zumachen, dass sie gegen meinen Status Quo eine echte Chance haben. Logisch, oder?

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