Traumjobs – never forever!

Meine Leser wissen, dass ich diesen Begriff nicht sonderlich mag. Das hat verschiedene Gründe. Da er aber fast überall aufploppt, wo es um berufliche Neuorientierung geht, werde ich ständig mit ihm konfrontiert.

„Ich habe meinen Traumjob immer noch nicht gefunden.“ 
„Wie kann es sein, dass ich einfach nicht weiß, was mein Traumjob ist?“
„Wenn ich nicht so blockiert wäre, wüsste ich natürlich, wie mein Traumjob aussieht.“

Und viele meiner Autorenkollegen verkaufen den Weg zu Berufung und Traumberuf als spaßig-entspannten Spaziergang – wenn man nur weiß, wo es langgeht.

In den Köpfen vieler Menschen gibt es für jeden den einen Job, der ihn glücklich und zufrieden macht, bis dass die Rente sie scheidet. Wir denken dabei doch sofort an Professor Brinkmann (jedenfalls die älteren Semester unter uns), Steve Jobs oder den Pastor, der anscheinend mit jeder Faser seinen Beruf lebt. Halleluja.

Aber mal ehrlich: Kennen Sie jemanden, der schon immer denselben Job macht und dabei total zufrieden ist? Mir fällt zumindest spontan keiner ein.

Ich? Oh ja, ich mag meine heutige Arbeit sehr! Man kann wohl sagen, dass ich einen Traumjob habe. Hier. Und heute. Ich hoffe, dass ich in zehn Jahren noch genauso sprechen werde. Nur bin ich mir sehr sicher, dass ich dann etwas anderes tun werde. Vielleicht wird es meiner Arbeit von heute ähneln, aber es wird andere Themen und andere Schwerpunkte haben. Schließlich werden mich in zehn Jahren andere Dinge interessieren, und ich werde meine Sichtweise bestimmt hier und da verändert haben. Ich hoffe sehr, dass sich dies dann in meiner Arbeit widerspiegeln wird.

Ganz davon abgesehen, dass die (Arbeits-)Welt dann eine ganz andere sein wird. Menschen werden andere Bedürfnisse und Fragen haben. Und hoffentlich werde ich dann nicht so verkalkt sein, ihnen mit dem Schnee und den Antworten von heute zu kommen…

In meinen Augen kann eine wirklich erfüllende Tätigkeit nicht von Dauer sein. Ja, dies wäre ein Widerspruch in sich! Ein Traumjob ist ein Traumjob, weil er lebendig ist und uns begeistert – weil wir uns mit ihm identifizieren können. Nicht der Job an sich ist ein Traum. Rockstar, Chirurg, Börsenhändler oder Flugbegleiter – für viele eher Albträume. Unsere innere Haltung ist es, die dafür sorgt, dass wir tun, was wir unbedingt tun wollen.

Jemand, der mutig ist und selbstwirksam denkt, wird nicht ruhen, bevor er seinen Job gefunden oder gestaltet hat. Und das wird er morgen und übermorgen auch tun – und damit wird sich auch seine Arbeit verändern.

Wer meint, sich einmal im Leben auf die Suche machen zu müssen, um dann für alle Ewigkeit seine Berufung gefunden zu haben, ist wohl ziemlich auf dem Holzweg. Wenn der romantische Hollywoodfilm endet, wissen wir ja auch, dass der Stress für die Protagonisten jetzt erst richtig anfängt, wenn es darum gehen wird, die Farbe der Auslegeware auszusuchen… Never forever.

Außer natürlich Prof. Brinkmann. Den mussten sie wohl aus dem OP tragen. Und wahrscheinlich hat er noch dabei tief zufrieden gegrinst.

4 Antworten auf „Traumjobs – never forever!“

  1. Hi Tom, das sehe ich ganz genauso. Es gibt einige Leue, die Dinge dieses EINE, dass muss es doch auch für MICH geben. Aber es ist nicht das EINE. Es ist zur rechten Zeit das gerade passende.

  2. Hm… Kann nur halb zustimmen. Die Grundaussage ist sicher richtig: Was heute mein Traumjob ist muss noch lange nicht mein Traumjob in 5 Jahren sein.

    Trotzdem bin ich aus meiner Erfahrung überzeugt: Viele Menschen haben viel zu wenig Mut, sich ihren Traumjob zu suchen. Und deshalb begehen Sie eine Todsünde nach der anderen, verweilen in sicheren, aber ungeliebten Jobs, orientieren ihre Profile am sogenannten „Markt“ – und wundern sich, dass sie sich am Ende bestenfalls in einem gutbezahlten Job langweilen.

  3. Oh ja, ich stimme Ihnen 110%ig zu!

    Ich hadere lediglich mit dem Konzept Traumjob als einem übergroßen Ziel, das man entweder erreicht oder eben nicht – und wenn man ihn hat, ist alles gut, sicher und für immer. Und wenn nicht? Viele Menschen reiten dann ihr totes Job-Pferd immer weiter, weil sie meinen, die Alternative könne nur der Traumjob sein. Und solange sie den nicht gefunden haben, bleiben Sie lieber bei ihrem toten Gaul.

    Ich finde es klüger, nach dem besseren Job zu suchen, nach der guten und stimmigen Alternative – anstatt ewig auf die perfekte zu warten. Wer es schafft, in Eigenregie einen Schritt machen, auch wenn er klein ist, wird wahrscheinlich den Mut entwickeln, irgendwann den nächsten zu tun. Und damit wächst die Fähigkeit, das eigene Schicksal selbst in die Hand zu nehmen (Thema Selbstwirksamkeit).

    Die Traumjob-Fixierung ist wie die Suche nach dem perfekten Essen – und dabei verhungert man direkt vor dem Buffet…

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