Lass mal locker

Lass mal locker
Vom klugen Umgang mit dem kleinen Perfektionisten in unserem Kopf

Coach Hamburg Tom Diesbrock Perfektionismus

erscheint am 8. Februar 21

Befürchten Sie, dass Ihre Leistungen nicht gut genug sind und Sie sich noch mehr anstrengen müssen?

Hören Sie von Ihren Freunden, doch mal einen Gang runterzuschalten?

Herzlich willkommen in der Welt des kleinen Perfektionisten. Er hat sich in unseren Köpfen eingenistet und redet uns ein, die Messlatte noch ein kleines Stückchen höher zu legen.

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Perfektionismus ist ein Problem. Niemals die Lösung.

Viele Menschen leiden unter ihrem viel zu hohen Anspruch an sich selbst - im Job, aber auch im Privatleben. Ständig spüren sie den inneren Druck, etwas noch besser machen zu müssen, und gleichzeitig die Angst, nicht gut genug zu sein. Trotzdem ist der Glaube verbreitet, dass die Neigung zum Perfektionismus auch ihre guten Seiten hat. Schließlich würde man ja so zu hohen Leistungen angehalten, einen besseren zu Job machen und dafür Anerkennung zu bekommen. Kein schlechter Deal also.

Aber sind Perfektionismus und Qualitätsbewusstsein wirklich zwei Seiten derselben Medaille? Braucht Qualität eine perfektionistische Haltung? Und ist Perfektionismus wirklich ein guter Weg zu Erfolg und Anerkennung? Nein, denn hier werden zwei Dinge miteinander vermischt, die gar nicht zusammengehören.

Zwar werde ich wohl tatsächlich gute Ergebnisse erzielen, wenn ich alles daransetze, jede Aufgabe hundertprozentig zu erledigen. Aber die Wahrscheinlichkeit, mit dieser Strategie auf Dauer erfolgreich zu sein, ist nicht sehr hoch, weil man viel mehr Zeit und Energie braucht als jemand, der auch mal mit 80 Prozent zufrieden sein kann. Die meisten Perfektionisten engagieren sich mehr und arbeiten länger als andere und haben damit bis zu einer gewissen Grenze auch Erfolg. Aber irgendwann funktioniert dies nicht mehr - ganz einfach, weil der Tag nur 24 Stunden hat und jeder Mensch irgendwann erschöpft ist. Kein Wunder, dass Perfektionisten nicht selten im Burn-out landen.

Oft nehmen sie dabei gar nicht wahr, dass es ihre eigene viel zu hohe Messlatte ist, die sie antreibt. Denn viele projizieren ihren Anspruch auf andere Menschen und glauben, dass der Chef, die Kollegen, Freunde oder die Familie so wahnsinnig hohe Erwartungen an sie haben.

Der Wunsch, eine Aufgabe sehr gut zu machen, erfolgreich zu sein oder sich mal richtig reinzuhängen, ist völlig okay - solange er auf einer bewussten Entscheidung beruht. Jemand mit starker Neigung zum Perfektionismus will aber nicht, sondern er muss. Dahinter stecken fast immer Ängste: zu scheitern, abgelehnt, kritisiert oder gar ausgelacht zu werden. Deshalb spürt ein Perfektionist auch selten Befriedigung über seine Leistung, sondern höchstens Erleichterung, dass die befürchtete Katastrophe ausgeblieben ist.

Dass die Wahrscheinlichkeit, tatsächlich zu scheitern und auf Ab- lehnung zu stoßen, in Wirklichkeit wohl sehr, sehr gering ist, blendet er aus. Das liegt daran, dass man „im Perfektionismus-Modus“ mental nicht wirklich erwachsen ist. Die Angst, zu versagen und bestraft zu werden, ist nämlich - auch wenn wir sie alle gut kennen - eine kindliche Angst. Und mit etwas Abstand und einem kühlen Kopf wissen wir ja im Grunde, dass uns kaum etwas Schlimmes geschehen kann. Niemand wird uns auslachen und verurteilen - selbst wenn unsere Leistung mal nicht perfekt ist.