Die drei Ebenen des Projekts Neuorientierung – Teil 3: Planung und Struktur

Tom Diesbrock Zeitmanagement

Als unser eigener Job-Entwickler sorgen wir also dafür, mit kreativen Blick über den Tellerrand neue und gute Ideen für unsere zukünftige Tätigkeit zu entwickeln. Mit dem Hut des Selbst-Managers auf dem Kopf kümmern wir uns darum, motiviert und mit Energie bei der Sache zu sein und mentale Blockaden aus dem Weg zu räumen.

Ich treffe immer wieder Menschen, die ihre berufliche Neuorientierung zwar mit Volldampf, hochmotiviert und sehr kreativ betreiben – aber trotzdem nicht zum Ziel kommen. Obwohl sie viele großartige Ideen haben, was sie alles tun könnten und möchten, werden daraus nie Job-Projekte – also definierte und von allen Seiten durchdachte Alternativen, die prägnant (siehe dazu den 1. Teil) genug sind, um eine Entscheidung zu treffen. 

Das kann daran liegen, dass ständig neue Ideen und Aspekte in den Prozess kommen und alles durcheinanderbringen. Dann wird das Fass immer wieder aufgemacht und der Suchprozess neu gestartet. Anstatt aus einer attraktiven Job-Idee ein Job-Projekt zu machen und auszuarbeiten, taucht ein neuer Gedanke auf – „Ich könnte ja auch XY machen…“ – und wird sofort begeistert verfolgt. Die eben noch interessante Idee wird dafür einfach links liegen gelassen.
Problem: Der Prozess hat keine Struktur.

Andere Menschen stellen sich selbst ein Bein, indem sie nicht darüber nachdenken, wie viel Zeit sie sich überhaupt geben möchten bis zu ihrer Entscheidung. Manche meinen, die Sache in wenigen Wochen abgeschlossen zu haben, sind dann frustriert, weil es nicht klappt, und werfen schlimmstenfalls die Flinte ins Korn. Und andere ziehen ihre Jobsuche über viele Monate oder gar Jahre – und verlieren dabei Überblick und / oder Energie, sodass der Prozess versandet.
Problem: Kein Zeitplan.

Also: Jedes komplexere Projekt braucht klare Strukturen und einen Zeitplan!

– Bevor ich überhaupt mit der Arbeit an meiner Job-Entwicklung starte, muss ich wissen, WIE ich dabei vorgehen möchte. Mit welchen Fragen und Themen will ich beginnen? In welchen Schritten will ich mich bis zur Entscheidung vorarbeiten? In meinem Buch Jetzt mal Butter bei die Fische! empfehle ich, den Prozess in fünf Phasen einzuteilen – von der Standortbestimmung, über die Beschäftigung mit den eigenen Interessen bis zur Entscheidungsfindung.

– Zu den wichtigen Strukturen gehören auch ganz praktische Erwägungen: Mein Projekt braucht zuerst einmal einen Arbeitsplatz. Optimal ist ein Schreibtisch mit einer Pinnwand oder einem Whiteboard, wo meine Arbeits- und Brainstorming-Ergebnisse hängen und liegen können. Fehlt der Platz, ist natürlich auch ein Küchentisch okay – und eine Schrankwand oder Tür kann zur Arbeitsfläche deklariert werden. Wichtig ist, dass das, woran ich gerade arbeite, nicht immer wieder in einer Schublade verschwindet, sondern sichtbar bleiben darf, um mich jederzeit anzuregen und zu beschäftigen.

– An einem Zeitplan kommen wir nicht vorbei. Ich muss mir unbedingt überlegen, wie viel Zeit mir im Alltag für mein Projekt zur Verfügung steht. Sinnvoll ist es, wenn ich mir zwei Termine pro Woche nehme – vielleicht einen ein- bis zweistündigen am Abend eines Wochentages und einen Arbeitsblock am Wochenende. Diese Termine müssen in meinem Zeitplaner geblockt sein! Wenn jemand diese Zeiten aufbringen kann, schlage ich erst einmal pauschal drei Monate für den Prozess bis zur Entscheidung vor. Ich rate jedem Neuorientierer, schon zu Beginn den Tag der Entscheidung festzulegen. Dies ist einerseits ein wichtiger Orientierungspunkt, der dem Projekt genug Rückenwind geben soll. Und er vermindert den Druck, den sich viele Menschen machen, indem sie viel zu früh und viel zu oft von sich selbst die finale Entscheidung verlangen. Und ein Zeitplan verlangt ja nicht, dass dieser auf Biegen und Brechen eingehalten werden muss: Wenn sich herausstellt, dass mehr Zeit als veranschlagt notwendig ist, kann die Entscheidung auch darin bestehen, dafür einen neuen Termin zu setzen. Übrigens sollte mein Zeitplan natürlich gut sichtbar an meinem Arbeitsplatz hängen!

 

Nicht jeder reagiert begeistert, wenn ich ihm diese „Struktur-Maßnahmen“ ans Herz lege. Mancher meint, dass Spaß und Kreativität unter solchen Plänen doch arg leiden, und würde lieber einfach loslegen und schauen, wohin der Prozess ihn bringt. Ich habe – nicht zuletzt bei mir selbst – die Erfahrung gemacht, dass durch sinnvolle Pläne und Strukturen erst der Raum geschaffen wird, um kreativ zu sein und auf neue Ideen und Lösungen zu kommen. Es gibt bestimmt Menschen, die im „kreativen Chaos“ erst so richtig aufblühen. Bei den meisten von uns dürfte ein Mangel an Strukturen und Plan aber eher Unsicherheit und damit innere Widerstände verstärken.

Ein guter Plan ist wie ein Geländer, an dem ich mich festhalten und entlang bewegen kann.