Wenn die Frage ein Teil des Problems ist

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Mails wie diese bekomme ich ziemlich häufig: Jemand beschreibt mir seinen bisherigen beruflichen Weg und wie er sich jetzt in einer Sackgasse sieht, weil ihm überhaupt nicht gefällt und entspricht, was er täglich tut. Die Verzweilfung ist verständlicherweise groß, wenn man gleichzeitig nicht weiß, was man denn tun möchte. Zwischen den Zeilen ist zu lesen, dass Interessen und eigene Vorstellungen von einem glücklichen Leben bisher keine große Geige spielten. Entscheidungen für Ausbildung, Studium und Jobs waren eher von vermeintlicher Vernunft geprägt – was der Arbeitsmarkt angeblich braucht und will, was sicher erscheint und gut bezahlt wird. 

Dann steht der eine mit Ende zwanzig, der andere mit Anfang vierzig da und weiß nicht weiter. Und mancher schreibt mir und fragt mich, ob ich nicht ein paar Tipps für sie habe, ihnen sagen kann, was sie nun am besten tun sollten.

Ich kann so eine Bitte um Hilfe gut verstehen und finde sie völlig okay. Gleichzeitig erstaunt es mich immer wieder, dass Menschen tatsächlich meinen, mit einigen Ratschlägen von jemandem, der sie gar nicht kennt, weiter zu kommen. So eine Frage drückt für mich viel eher das Problem aus, als dass sie auf eine Lösung zielen kann.

Lief nicht wahrscheinlich die erste berufliche Weichenstellung schon so ab: Man fragt Leute, von denen man glaubt, sie könnten einem den richtigen Weg weisen, was man am besten tun sollte? Man glaubt an objektiv richtige Karriereentscheidungen? Und man macht sich nicht auf die Suche nach eigenen Antworten – weil es unbequem ist, innere und äußere Konflikte auslösen könnte und womöglich Zeit braucht?

Schnelle Antworten führten also in den Schlamassel – und jetzt soll ich mit einer schnellen Antwort den Weg hinaus weisen? Macht keinen Sinn, oder? Ich liebe den Satz des Dalai Lamas, der einmal sagte: Der Weg zum Glück braucht Entschlossenheit, Anstrengung und Zeit“ – ich bin davon überzeugt, dass dies auch für eine kluge berufliche Orientierung gilt.

Ich kann den Menschen, die mich per Mail um Rat fragen, nur sagen: Hört auf, von angeblichen Experten einfache Antworten zu erwarten! Und wenn sie Euch jemand gibt, glaubt sie nicht!!! Hinter allem stehen doch immer die Fragen Was will ich, und was macht mich glücklich? Wie sollte Euch jemand die Suche nach einer Antwort abnehmen können?

Und egal ob jemand 25 oder 50 ist: Auch wenn man sich schon seit Jahren an diesen Fragen vorbeimogelt, ist es alles andere als klug, deshalb jetzt nach Abkürzungen und Instantlösungen zu verlangen – weil man man ja schon so viel Zeit vertrödelt hat und es deshalb jetzt ganz schnell gehen muss…

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